"Wie muss Kirche heute sein?"

Nachricht Rotenburg, 13. März 2026

Kirchenkreissynode stellt angesichts großer Veränderungen grundsätzliche Fragen neu

philipp elhaus

Die Delegierten aus den insgesamt 17 Kirchengemeinden des Kirchenkreises Rotenburg haben eine schwierige Aufgabe. Sie müssen den Finanz- und Stellenplan für den Zeitraum 2029 bis 2034 entwickeln und verabschieden. Dafür stehen ihnen insgesamt rund 20 Prozent weniger finanzieller Zuwendungen von der Landeskirche Hannovers zur Verfügung als im aktuellen Planungszeitraum. Ganz grob muss von einer Einsparung von rund einer Millionen Euro ausgegangen werden. Die Zuweisungen werden beispielsweise verwendet für Personalkosten in den Gemeinden und in den Beratungsstellen des Diakonischen Werkes, für die Instandhaltung der Kirchen und Gemeindehäuser sowie für das Betreiben von Kindertagesstätten.

„Wir müssen uns also unsere Arbeit genau anschauen und dann entscheiden, was uns wirklich wichtig ist“, erklärte Hartmut Ladwig, Vorsitzender der Kirchenkreissynode, in seiner Begrüßung zur jüngsten Sitzung der Kirchenkreissynode im Saal des Rotenburger Gemeindehauses „Treffpunkt am Kirchhof“. Als Startschuss für den anstehenden Planungsprozess war Pastor Philipp Elhaus vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) mit Sitz in Hannover eingeladen. Er hielt einen Impulsvortrag, in dem er ein schonungslos ehrliches Zukunftsbild der Kirche zeichnete.

Dreh- und Angelpunkt sind die ständig sinkenden Mitgliederzahlen. Sie ergeben sich aus dem demografischen Wandel und den zunehmenden Kirchenaustritten. Entsprechend nehmen die Einnahmen durch die Kirchensteuern ab. Daraus folge laut Elhaus, dass der Gebäudebestand in den Kirchengemeinden angesichts von weniger Nutzenden und geringerem Finanzvolumen verringert werden müsse. Zusätzlich würde die Kirche mit einem ständig zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert werden. Durch die Ruhestandswelle der Babyboomer und die geringeren Zahlen an interessiertem Nachwuchs könnten schon heute zahlreiche Stellen nicht mehr besetzt werden. Diese Entwicklung sei zwar nicht neu, aber die Geschwindigkeit, mit der sie sich vollziehe, sei größer als bisher gedacht. „Der Handlungsdruck steigt massiv“, sagte der Wissenschaftler.

Zudem identifizierte er eine weitere Krise, die die Kirchen unter Gestaltungsdruck setzen würden: Das sei der Relevanzverlust der Kirche für das persönliche wie das gesamtgesellschaftliche Leben. „In der Lebenswelt vieler Menschen kommt Kirche heute schlichtweg nicht vor“, analysierte der Referent.

In einem historischen Rückblick zeigte er auf, dass sich die kirchlichen Strukturen immer schon im Wechselspiel mit dem gesellschaftlichen Wandel verändert hätten. Das Modell mit den Gemeindehäusern, in denen Religiosität mit Geselligkeit vor Ort kombiniert wird, entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts. Heute seien neben diese festen, verlässlichen Strukturen von Kirche neue Vorstellungen von einem loseren Netzwerk hinzugekommen. „Wie also muss Kirche heute sein, um möglichst vielen Menschen Kontaktmöglichkeiten mit der Liebe Gottes zu eröffnen?“, fragte Ehlhaus in die Runde. Er brachte auch einige Beispiele aus anderen Kirchengemeinden mit, die bereits neue Strukturen erproben. Und er ermunterte die Anwesenden, für ihren Planungsprozess inhaltliche Fragen zu stellen: „Wozu sind wir da? Welchen Unterschied machen wir als Kirche vor Ort für das Leben der Menschen?“

Die lebhafte Diskussion nach dem Vortrag zeigte, dass die Delegierten sich schon länger mit dem Thema auseinandersetzen und engagiert die besten Lösungen für den Kirchenkreis Rotenburg finden wollen. Am Schluss verabredeten sie, wie sie gemeinsam und in speziellen Arbeitsgruppen weiterdenken wollen. Auch ein größerer Kreis von Ehrenamtlichen und kirchlich Interessierten soll in den Prozess einbezogen werden.

Kontakt

Vorsitzender der Kirchenkreissynode Rotenburg

Hartmut Ladwig
27356 Rotenburg (Wümme)
Tel.: 04261-5504