Petra Bach informiert in der Kirchenkreissynode Rotenburg über Schutzmaßnahmen
Welche wichtige Rolle Kirchen für den Schutz heimischer Fledermäuse spielen, erläuterte Petra Bach, Projektleiterin der Ökologischen NABU-Station Oste-Region (ÖNSOR), den Delegierten der Kirchenkreissynode Rotenburg auf ihrer jüngsten Sitzung im Gemeindehaus in Visselhövede. Mit ihrem Vortrag stellte sie zugleich das Fledermausprojekt für den Landkreis Rotenburg vor und warb dafür, dass Kirchengemeinden sich bei Fragen oder Funden künftig an die Fachleute wenden.
Fledermäuse seien faszinierende Tiere, erklärte Bach. Als einzige Säugetiere könnten sie aktiv fliegen und ernährten sich ausschließlich von Insekten. Entgegen weit verbreiteter Vorurteile seien die heimischen Arten keine Blutsauger. Da sie nachtaktiv und äußerst lichtempfindlich sind, könne bereits die Beleuchtung eines Kirchturms dazu führen, dass sie ein Quartier nicht mehr nutzen.
Besonders Kirchen spielten im Jahreszyklus der Tiere eine wichtige Rolle. Während sie den Winter meist in Bunkern oder Höhlen verbringen, ziehen viele Weibchen im Frühjahr in Sommerquartiere um. Kirchtürme und Dachböden bieten ideale Bedingungen für sogenannte Wochenstuben, in denen die Weibchen ihre meist nur ein bis zwei Jungtiere aufziehen. Da Fledermäuse nur wenige Nachkommen haben, könnten Störungen während dieser Zeit gravierende Folgen für die Population haben.
Im Landkreis Rotenburg nutzen vor allem das Braune Langohr und das Große Mausohr Kirchen als Quartier. Das Braune Langohr bevorzugt dunkle Kirchtürme und ist besonders empfindlich gegenüber künstlichem Licht. Das Große Mausohr, die größte heimische Fledermausart der Region, benötigt weitläufige Dachböden. Bach bat darum, dass sie informiert wird, wenn in und um Kirchen einzelne Tiere entdeckt werden.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz stehen alle Fledermäuse unter besonderem Schutz. Sie dürfen weder gestört noch ihre Quartiere zerstört werden. Deshalb müsse bei Sanierungen von Kirchengebäuden frühzeitig geprüft werden, ob Fledermäuse betroffen sind. In solchen Fällen sei eine artenschutzrechtliche Genehmigung erforderlich, begleitet von fachkundiger Beratung.
Darüber hinaus könnten Kirchengemeinden viel für die Tiere tun. Bach empfahl, Lichtverschmutzung zu reduzieren, auf Pestizide zu verzichten und Friedhöfe sowie kirchliche Grünflächen insektenfreundlich zu gestalten. Streuobstwiesen, Hecken, alte Bäume mit Höhlen und Kleingewässer böten nicht nur Fledermäusen, sondern zahlreichen weiteren Tierarten wertvollen Lebensraum. Auch als Verpächter landwirtschaftlicher Flächen könnten Kirchengemeinden zu einer naturverträglichen Bewirtschaftung beitragen.
Unterstützung erhalten die Gemeinden durch die ÖNSOR, die sowohl Beratung als auch finanzielle Förderung einzelner Maßnahmen anbietet. Zudem arbeitet im Landkreis ein ehrenamtlicher Fledermausbetreuer. Sie alle freuen sich über Hinweise auf Fledermausquartiere, Kotfunde auf Dachböden oder auch tot aufgefundene Tiere. Wer tagsüber eine erschöpfte Fledermaus entdeckt, sollte sie vorsichtig – möglichst mit dicken Handschuhen – sichern und bei Bedarf Kontakt zu den Fachleuten aufnehmen. Die ÖNSOR ist zu erreichen unter Telefon 0152 310 55 143, der ehrenamtliche Fledermausbetreuer für den Südkreis des Landkreises Rotenburg hat die Nummer 0421 2768953.


